50 Jahre Ökumenische Kampagne: „Das Herz muss Hände haben“

05.03.2019

Seit 50 Jahren engagieren sich Fastenopfer und Brot für alle gemeinsam für eine gerechtere Welt.

1968 erfasste der gesellschaftliche Aufbruch auch die Kirchen: Das Zweite Vatikanische Konzil und der Ökumenische Rat der Kirchen forderten die Kirche auf, sich stärker mit der Welt auseinanderzusetzen und sich auch in politische Themen aktiv einzumischen. Gleichzeitig war Ende der 1960er-Jahre der Enthusiasmus für die Entwicklungshilfe in der Bevölkerung verflogen. Es wurde immer klarer, dass es mehr braucht als ein paar Jahre engagierten Einsatz, um die – im damaligen Sprachgebrauch – «unterentwickelten» Gebiete dieser Welt von der Armut zu befreien.

Vor diesem Hintergrund entschieden sich Brot für alle (damals Brot für Brüder), Fastenopfer und Swissaid im Winter 1969 zu einer gemeinsamen Informationskampagne. Es gebe die «Notwendigkeit einer neuen und intensiven Information zur Frage der Entwicklungshilfe». Und es sei «unverantwortlich, als Christen auf die Herausforderungen der 3. Welt weiterhin getrennt zu antworten». Bei der Gestaltung der Plakate wurde bewusst auf die damals üblichen Kinder mit Hungerbäuchen verzichtet. Dafür wurden Slogans entwickelt, die bis heute zum Denken anregen: «Was müsste man tun, um 40 Millionen Menschen verhungern zu lassen? Nichts.» oder «Niemand hungert, weil wir zu viel essen, sondern weil wir zu wenig denken».

Diese Kampagne war, wie es die Gründer nannten, der «Trompetenstoss» zum Auftakt der langjährigen Zusammenarbeit, die heuer ihr 50-Jahr-Jubiläum feiert. Im Jahr 1973 gaben Brot für alle und Fastenopfer die erste gemeinsame Agenda heraus, die mit ihren Sprüchen und der geballten Ladung an Information zum Markenzeichen der Kampagne wurde. Mit der Zeit wurde das Angebot breiter und man wagte sich auch an anspruchsvolle Projekte wie das Hungertuch und gemeinsame Liturgiematerialien. Die Suppentage, noch heute ein Symbol für gelebte Ökumene, werden seit 1976 jährlich von Kirchgemeinden und Pfarreien in der ganzen Schweiz durchgeführt.

Bei den Ursachen ansetzen

Wie schon 1969 standen auch später die Sensibilisierung und das Aufrütteln der Menschen in der Schweiz im Vordergrund. Es ging Brot für alle und Fastenopfer in ihren Kampagnen immer darum, bei den Ursachen anzusetzen und die strukturellen Gründe von Ungerechtigkeit und Armut zu beleuchten. Frieden, Umweltschutz, Menschenrechte, gerechte Geschlechterbeziehungen, faires Wirtschaften und die Suche nach einem neuen, nachhaltigen Lebensstil sind Themen, welche die Kampagne seit 50 Jahren prägen. Bei vielen sind Fortschritte sichtbar: Wer hätte in den 1970er-Jahren gedacht, dass Fair-Trade-Bananen dereinst ein Kassenschlager der Grossverteiler werden? Oder wer hätte nach der Kontroverse um die Ja-Parole der Werke zur Uno-Abstimmung von 1986 gedacht, dass diese Jahre später eine Volksinitiative für mehr Konzernverantwortung mitlancieren würden? Fastenopfer und Brot für alle wagten sich immer auch an heisse Eisen und wurden dafür heftig kritisiert. Doch sie haben auch geholfen, das Profil der beiden Werke zu schärfen. Und «Das Herz muss Hände haben» – der Agendaspruch vom 27. März 1976 hat bis heute seine Gültigkeit behalten.

Sehen Sie sich hier eine Auswahl der Plakate an, die uns durch die Ökumenischen Kampagnen hindurch begleitet haben.

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