«Alles, was ich möchte, ist, die Adivasis lächeln zu sehen»

05.03.2018

Die Adivasis leben im Nordosten Indiens, im Bundesstaat Assam auf zahlreichen Teeplantagen, viele in Hunger und Armut und sozial geächtet. Erst mit dem Fastenopfer-Projekt konnten sie wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und ihre Ernährung sichern. Priester Caesar Henry, der sie dabei unterstützt, ist während der Ökumenischen Kampagne in den Schweizer Pfarreien und Schulen zu Besuch und erzählt.

Priester Caesar Henry, weshalb engagieren Sie sich für die Adivasis?

 

Zusammen mit den „Unberührbaren“, den Dalits, gehören die Adivasis zur Bevölkerungsgruppe, die unterdrückt, ausgegrenzt und ausgebeutet wird, wie keine andere in Indien: Sie besitzen keine Rechte und sind geächtet in der Gesellschaft. In den Adivasis sieht man in Assam bloss die Tagelöhner auf den Teeplantagen. Hunger, Analphabetismus, Verschuldung und die Unterdrückung der Frauen bringen die Adivasis dabei in existentielle Nöte.

 

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Adivasis aus?

 

Die Adivasis müssen sich von Geldverleihern und ausnützenden Kräften befreien können. Getreide- und Reisbanken geben ihnen die nötige Eigenständigkeit (Siehe Infobox). Mittlerweile hat sich daraus eine ganze Bewegung gebildet, von der nun rund 4‘000 Personen in 370 Dörfern profitieren können. Die Animatoren des Fastenopfer-Projektes zeigen den Adivasis, wie die Getreide- und Reisbanken funktionieren. Ausserdem müssen sie sich politisch einbringen können, um für ihre Rechte einzustehen. Auch dazu werden sie geschult. Wir begleiten langfristig Menschen, damit sie ihre eigene Gesellschaft verändern können.

 

Wo liegen die grössten Schwierigkeiten?

 

Die Adivasis waren so lange unterdrückt und in den Teeplantagen so gefangen, dass sie ihr Vertrauen verloren haben. Wir mussten ihnen zuerst aufzeigen, wie wichtig es ist, das Land zu besitzen, auf dem sie arbeiten. Nur so ist ihre Nahrungssicherheit langfristig gewährleistet. Und ihre Kultur, ihre Identität und Spiritualität sind dabei sehr wertvoll, um für die eigenen Rechte einzustehen. Mit der Stärkung der Adivasis haben wir uns natürlich nicht nur Freunde eingehandelt, gerade bei den Geldverleihern, die nun ihr Geschäft verloren hatten.

 

Können Sie auch über positive Erlebnisse berichten?

 

Bis heute konnten in Assam rund 70 Prozent der Adivasis, welche ihr Land an stammesferne Gruppen verpfändet hatten, ihr Land zurückgewinnen. In vielen Dörfern haben die Adivasis nun genug zu essen und können ein würdiges Leben führen. Ihre Kinder werden in die Schule geschickt und niemand verhungert. Kein Kind muss mit leerem Magen ins Bett.

Auch sind sie ins politische Leben eingebunden, in der lokalen Selbstverwaltung. Sie kümmern sich um die Sozialhilfe und die Entwicklung der Region. Und von den derzeit 38 Adivasis-Regierungsmitgliedern sind 19 Frauen. Viele der Adivasis lächeln wieder. Das war alles, was ich wollte, und es ist mein grösstes Glück.

 

Was wünschen Sie sich für Ihren Besuch bei uns in der Schweiz?

 

Zuerst einmal möchte ich „Danke“ sagen. Obwohl ihr von weit her seid und uns nicht kennt, habt ihr uns berührt, viele Adivasis leben heute befreit und gestärkt. Das motoviert mich, weiterzumachen.

Zweitens möchte ich sagen, dass wir eine gemeinsame Verantwortung haben, eine gerechte Gesellschaft aufzubauen. Ihr habt die Verantwortung, eure Hand auszustrecken, eure Liebe zu erweitern zu den Armen, Unterdrückten und an den Rand der Gesellschaft Gedrängten.

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«Für eine Welt, in der alle genug zum Leben haben»: Die Ökumenische Kampagne von Fastenopfer und Brot für alle macht auf Initiativen und Bewegungen im globalen Norden und Süden aufmerksam, die einen ressourcenschonenden, massvollen Lebensstil anstreben, Ungerechtigkeiten abbauen und die Leute befähigen, am gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben teilzunehmen.

Mehr Infos zum grossen Wandel finden Sie hier.