Billiger Rohstoff mit teuren Folgen

07.09.2017

Der Palmölkonsum hat in den letzten Jahren rasant zugenommen und damit auch die negativen Folgen des grossflächigen Ölpalmanbaus. Auch der Versuch, Palmöl-Monokulturen nachhaltig zu betreiben, ist bis anhin nicht gelungen.

 

Palmöl ist das meistkonsumierte Pflanzenöl weltweit. Dabei wird heute doppelt so viel Palmöl verbraucht wie noch vor 15 Jahren – mit verheerenden Folgen für die Menschen aus Zentralamerika, Westafrika und Südostasien, wo die Ölpalmen auf riesigen Plantagen angebaut werden.

Trotz der massiven Kritik, die Betroffene, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen seit Jahren formulieren und mit zahlreichen Studien belegen, scheint Palmöl in der Lebensmittel-, Kosmetik und Reinigungsmittelindustrie beinah alternativlos. Warum?

Guetzli, Kekse, Chips

Palmöl ist ein vielseitig einsetzbarer Rohstoff: Ob Guetzli, Pizza, Shampoo oder Kerzen, Palmöl ist überall. Das Öl ist lange haltbar, kann bei unterschiedlichen Temperaturen verarbeitet werden und ist fast geruchsfrei. Im Vergleich zu anderen Ölpflanzen ist die Ölpalme auch äusserst ertragreich.

So können auf einem Hektar 3,3 Tonnen Palmöl produziert werden, hingegen nur 0,7 Tonnen Kokos-, Sonnenblumen- oder Rapsöl. Das ist ein Grund, warum Palmöl auf dem Weltmarkt so konkurrenzlos billig ist.

Wer aus der hohen Flächeneffizienz jedoch schliesst, Palmöl sei deswegen besonders nachhaltig, irrt gewaltig. Ölpalmen gedeihen nur in tropischen Regionen gut, denn sie brauchen Hitze und regelmässig viel Regen. Der tropische Gürtel um den Äquator ist jedoch just das Gebiet, in dem Regenwälder mit einer hohen Biodiversität gedeihen und als CO2-Speicher eine lebenswichtige Rolle spielen. Und wo indigene Völker im und vom Wald leben und Menschen das üppige Buschland seit jeher nachhaltig für ihren Lebensunterhalt nutzen.

300 Fussballfelder pro Stunde

Vor über 100 Jahren haben europäische Kolonialregierungen das Öl der eigentlich in Westafrika heimischen Palme als Rohstoff für die industrielle Konsumgüterproduktion entdeckt. Sie haben vor allem in Südostasien grossflächige Plantagen angelegt, die dort lebenden Menschen vertrieben und den Wald gerodet. Das hat sich bis heute kaum geändert.

Für Ölpalmplantagen in Asien wird heute stündlich die Fläche von rund 300 Fussballfeldern gerodet. Und noch immer werden Landrechte missachtet und das Land von Regierungseliten zu Tiefstpreisen an Palmölkonzerne verkauft oder verpachtet.

Dass das Land so billig zu haben ist und den Plantagenarbeitenden nur sehr niedrige Löhne gezahlt werden müssen, sind weitere Gründe, weshalb kein anderes Pflanzenöl so begehrt ist wie Palmöl. Hinter dem Boom steht zunächst die Zunahme industriell gefertigter Nahrungsmittel in Europa und Nordamerika seit den 1960er-Jahren und seit den 1990er-Jahren auch in den Schwellenländern wie China, Indien oder Mexico.

Und schliesslich hat die Förderung von Agrotreibstoffen in der EU die Nachfrage nach Palmöl nochmals kräftig erhöht. Von den weltweit jährlich rund 50 Millionen Tonnen Palmöl werden über fünf Millionen Tonnen in Europa verbraucht.

Alleine der Schweizer Konzern Nestlé kaufte im Jahr 2015 gemäss eigenen Angaben rund 420 000 Tonnen Palmöl– knapp ein Prozent der globalen Produktion.

Rund 85 Prozent der globalen Palmölproduktion kommen aus Indonesien und Malaysia. Weil dort eine weitere Ausdehnung zunehmend schwieriger wird – auch angesichts der massiven Kritik – suchen die Palmölkonzerne nach neuen Expansionsmöglichkeiten in Afrika und Lateinamerika. Der steigende Palmölkonsum ist damit zu einer der wichtigsten Ursachen für Land Grabbing in diesen Ländern geworden.

Kein nachhaltiges Palmöl

Dass die Produktion von Palmöl massive Probleme mit sich bringt, wissen auch die Firmen, die damit handeln, es verarbeiten und Palmölprodukte verkaufen. Deshalb haben sie vor bald 15 Jahren den Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) gegründet. Ziel war, den Sektor so zu verändern, dass Mensch und Umwelt nicht mehr zu Schaden kommen.

Einige Schweizer Akteure waren von Anfang an massgeblich am RSPO beteiligt und tatsächlich ist heute der Grossteil der Palmölimporte in die Schweiz RSPO-zertifiziert. Doch den Beweis, dass Palmöl wirklich nachhaltig produziert werden kann, bleibt der RSPO bisher schuldig. Illegale Rodungen, Landkonflikte und Missachtung der Arbeitsrechte werden auch auf RSPO-zertifizierten Plantagen nachgewiesen. Wirkungsvolle Sanktionsmechanismen sieht der auf Freiwilligkeit beruhende RSPO nicht vor und die von Land Grabbing betroffenen Dorfgemeinschaften erhalten ihr Land nicht zurück.

Doch ist Palmöl wirklich so unverzichtbar?

Vor allem im Lebensmittelbereich gibt es mit einheimischen Pflanzenölen gute Alternativen. Dass es sogar ohne Palmöl geht, zeigen die Supermarktkette Coop Italia oder der italienische Nahrungsmittelkonzern Barilla. Beide Unternehmen haben im letzten Jahr die Rezepte von 200 bzw. 150 Produkten umgestellt und Palmöl ersetzt. Nun gilt es, Raps-, Sonnenblumenöl oder andere Pflanzenöle ökologischer als bisher zu produzieren, um wirklich nachhaltige Alternativen zu Palmöl zu entwickeln.

Diesen Artikel finden Sie auch in unserem aktuellen Dossier zum Magazin «Perspektiven» »

 

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