Land Grabbing in Indonesien

«Die Firmen wollen uns keine Jobs bringen, sie haben eigene Interessen»

14.03.2017
Raymundus Remang, Dorfchef von Sungai Utik. Wie viele andere Dörfer wird auch Sungai Utik vom Vorpreschen der Palmölfirmen bedroht.
«Ich habe die letzte Nacht im Langhaus übernachtet, weil ich noch etwas für die Distriktverwaltung erledigen musste. Ein Teil meiner Familie ist im Unterstand auf dem Feld geblieben und hat die Glut kontrolliert. Wir haben das Feld eben erst vorbereitet und dafür Baumstämme, Äste und das Gestrüpp verbrannt, die wir zuvor zusammengetragen haben. Heute räumen wir die nicht ganz verbrannten Äste zusammen, bevor wir beginnen, unsere Reissamen direkt auf die Erde zu säen. Die Asche dient dabei als Dünger.

Heute Morgen fahre ich mit meiner Frau und meiner jüngsten Tochter mit dem Motorrad zurück aufs Feld. Ich möchte, dass meine Kinder lernen, wie man bei uns traditionell Trockenreisfelder (ladang) bestellt. Unser Anbausystem nennt sich ‹ladang bergilir› (aufs Trockenreisfeld zurückkehren): Wir bewirtschaften ein Feld nur alle 10 Jahre, dazwischen lassen wir es ruhen. Dieses Prinzip befolgen wir seit Hunderten von Jahren ebenso wie die Riten und Bräuche beim Vorbereiten der Felder, beim Pflanzen und der Ernte. Die Ladang-Bauern brennen den Primärwald nicht ab und verursachen auch nicht den Rauch, den die Regierung nun anprangert. Das machen die Palmölfirmen. Wegen des Rauchs will die Regierung uns nun das Abbrennen des Gestrüpps verbieten. Bei den Plantagen ist das richtig, aber uns können sie die Kultur der Trockenreisfelder nicht verbieten, denn damit geht die Identität und die Kultur der Dayak verloren.

Bevor die Palmölfirmen kamen, war unser Leben bescheiden, aber wir hatten Arbeit und zu essen und konnten die Schule für die Kinder bezahlen. Die Firmen kommen nicht, weil sie uns Geld und Jobs bringen wollen, sie haben eigene Interessen. Wir haben beobachtet, wie die Palmölfirmen in anderen Dörfern die Umwelt und auch das soziale Zusammenleben zerstört haben. Deshalb haben 10 Gemeinden unseres Bezirks beschlossen, keine Palmölfirmen zu akzeptieren. Heute Abend werde ich wieder mit meiner Familie auf dem Feld übernachten.»


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen Dossier zum Thema Land Grabbing. Sie finden dieses auf www.sehen-und-handeln.ch/publikationen.