IT-Rating 2017

Fairphone zeigt, was möglich wäre

Fairphone verfolgt ein Unternehmensmodell, das sich radikal von jenem der übrigen Markenfirmen unterscheidet. Nicht der Gewinn für die Aktionärinnen und Aktionäre steht im Vordergrund, sondern der Einsatz für ethische Werte und fair produzierte elektronische Geräte. Fairphone ist auch von der Grösse und vom Umsatz her nicht mit den übrigen Firmen vergleichbar und konzentriert sich auf ein einziges Produkt. Dennoch kann Fairphone insbesondere im Umgang mit Arbeitsrechten und Konfliktrohstoffen in der Lieferkette als best practice gelten und zukunftsweisende Wege für die Industrie aufzeigen.

Im Bereich der Konfliktrohstoffe ist Fairphone im Hinblick auf die Tiefe des Engagements Spitzenreiter innerhalb der Branche. Fairphone analysiert und publiziert in direkter Zusammenarbeit mit einzelnen Zulieferern und Schmelzereien die Lieferkette systematisch bis hin zu den Herkunftsorten der Rohstoffe aus einzelnen Minen und engagiert sich dort für eine Verbesserung der Abbaubedingungen. Fairphone begnügt sich nicht mit der branchenüblichen Zertifizierung der Schmelzereien als «konfliktfrei», denn die Beschränkung auf diese birgt die Gefahr eines Boykotts der betroffenen Regionen. Stattdessen kann die Firma auch Rohstoffe wie Zinn, Wolfram, Tantalum und Gold aus Konfliktgebieten beziehen, sofern sie nachweislich verantwortungsvoll und konfliktfrei produziert sind. Noch klarer zeigt sich der Vorsprung der Firma Fairphone im Bereichder Arbeitsrechte. Systematisch arbeitet Fairphone mit Zulieferern zusammen, die offen sind gegenüber bestimmten Veränderungen in der Industrie. Dadurch sollen trotz der geringen Grösse Anforderungen und Standards durchgesetzt werden, denen sich die Branchenriesen bislang verschliessen. Insbesondere fördert Fairphone die Selbstorganisation der Arbeiterinnen und Arbeiter, zum Beispiel durch Ausbildung und einen extra dafür eingerichteten Fonds. Fairphone macht den Zulieferfirmen Vorgaben für den Fall, dass die Gewerkschaftsfreiheit am Produktionsstandort eingeschränkt ist. Ausserdem arbeitet Fairphone für die Information und Ausbildung der Angestellten bezüglich ihrer Rechte und bei der Überprüfung (Audits) der Zulieferer mit unabhängigen Menschen- und Arbeitsrechtsorganisationen zusammen. Als einzige Firma erkennt Fairphone überdies die Diskrepanz zwischen Mindest- und Existenzlöhnen an und fordert von den Zulieferern die Bezahlung von Existenzlöhnen. Auch anerkennt Fairphone als einzige der untersuchten Firmen die Verantwortung, welche sich beispielsweise durch die Auftragsplanung und die Preispolitik der Markenfirmen ergibt. Fairphone bekennt sich dazu, die Einkaufspolitik nicht auf Kosten der Arbeitsbedingungen an den Produktionsstandorten zu gestalten und nimmt entsprechende Abstriche wie zum Beispiel flexible Liefertermine an die Kundschaft in Kauf.