Gesellschaftliche Umbrüche im Senegal

Gemeinsam in ein besseres Leben

13.03.2018
Die Präsidentin Aminata Bodian sagt von sich selbst: «Ich kann nicht ruhig sitzen, sonst merke ich, wo es mir überall weh tut. Da bleibe ich lieber in Bewegung». Bild: Ousmane Kobar/ Fastenopfer

Während der Regenzeit fehlt es im Senegal an Nahrung, und bei Krankheit können Pflegekosten nicht bezahlt werden. Teure Kredite führten zu Verschuldung. Doch die Kalebasse schafft Abhilfe.

Mitten im Saloum Delta, einem der grössten Naturschutzgebiete Senegals, liegt Thialane. Etwa 800 Menschen leben noch auf der Insel, mehr als 2000 sind weggezogen. Die Männer fangen Fische, die Frauen verarbeiten sie und pflücken Muscheln in den Mangrovenwäldern, bauen Gemüse an. Mehr gibt es auf diesem kleinen Flecken nicht zu tun. Nicht nur die Abwanderung belastet die Dorfgemeinschaft. Die Menschen sind zudem darüber besorgt, dass sie ihren Kindern keine Zukunft bieten können.

 

Erinnert sie sich an die Anfänge der Kalebassen-Gruppe, strahlt Präsidentin Aminata Bodian*: «An einer Veranstaltung habe ich zum ersten Mal von der Kalebasse gehört. Ich bin zurück auf die Insel gereist und habe die Frauen davon überzeugt, dass wir auch eine solche Solidaritäts-Kalebasse gründen sollten. Das war 2009. Bei der ersten Sammlung kamen 16 Franc CFA (knapp 2 Rp.) zusammen, heute haben wir über eine Million – (5000. Fr.) in der Kalebasse.»

 

Das von der Fastenopfer Partnerorganisation Fénagie betreute Projekt basiert auf Freiwilligkeit und nimmt Rücksicht auf die finanziellen Möglichkeiten der meist weiblichen Mitglieder. In die Kalebasse zahlt jedes Mitglied bei den Treffen so viel ein, wie es gerade entbehren kann. Bei der monatlichen Sammlung, die feierlich begangen wird, ist die Kalebasse mit einem weissen Tuch bedeckt. Weiss steht für Reinheit und Zuversicht. Jede Spende ist anonym. Niemand sieht, wieviel das einzelne Mitglied einbezahlt.

Der Bauch des Flaschenkürbisses wird als Kalebasse bezeichnet. Mittlerweile gibt es im Senegal über das ganze Land verteilt fast 900 Gruppen. Bild: Ousmane Kobar/ Fastenopfer
Aminata Bodian ist seit dem ersten Tag Präsidentin der Kalebassengruppe und jedes Mal, wenn sie zurücktreten will, erklären die anderen Frauen, sie wollen keine andere. Nur sie könne die Geschicke der Gruppe so gut lenken. «Ich wusste zu Beginn nicht einmal, was das Wort Präsidentin überhaupt bedeutet», lacht sie. Doch entschlossen packte sie die Aufgaben an: Liess die juristische Form festhalten, verteilte Ämter und fand für jede der Frauen eine sinnvolle Aufgabe.

 

Die 34 Frauen erzählen, dass in der Zeit vor der Kalebasse alles anders war. Keine von ihnen hätte sich für die Gemeinschaft engagiert. Jede hätte ihr Leben gelebt und irgendwie versucht, den Alltag zu meistern. Die Kalebassen-Gruppe hat einen Wandel hin zum besseren eingeleitet. So können sich die Frauen bei finanziellen Engpässen Geld ausleihen und es zinslos zurückbezahlen. Kredite werden etwa gesprochen, wenn Geld fehlt, um Schulkosten, Gesundheitskosten oder Nahrung zu finanzieren.

 

Die Frauen haben mit dem gemeinsam gesparten Geld aber auch die Dorfschule neu eingerichtet und sich Ausbildungen finanziert, in welchen sie etwa lernten, Lebensmittel haltbar zu machen. Das ist – gerade in Knappheitsperioden – überlebenswichtig. Gemeinsam haben die Frauen von Thialane denn auch schon einiges erreicht. «Doch wir haben noch viel vor», sagt die Präsidentin voller Stolz. «Wir wollen verhindern, dass immer mehr Junge abwandern müssen, weil sie hier keine Zukunft haben. Wir wollen, dass unsere Insel wieder lebenswert ist.»

Fastenopfer und Brot für alle zeigen während der Fastenzeit Hoffnungsgeschichten aus dem Norden und dem Süden, die gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen. Weitere Geschichten zum grossen Wandel finden Sie hier.

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