Investitionen in klimaschädliche Energien stoppen

18.12.2017

Christian Lüthi, Geschäftsführer der Klima-Allianz zeigt auf, weshalb es so wichtig ist, Gelder aus fossilen Energien abzuziehen und warum der Schweizer Finanzplatz dabei eine grosse Rolle spielt.

Die Klima-Allianz, zu der auch Brot für alle und Fastenopfer gehören, führt derzeit eine Kampagne zu Desinvestition. Was bedeutet Desinvestition genau?

 

Desinvestition heisst, Investitionen aus unethischen Bereichen abzuziehen. Bei uns geht es darum, Investitionen in fossile Energien wie Erdöl, Kohle und Erdgas zu beenden. Desinvestition war schon in anderen Zusammenhängen erfolgreich, z.B. um das Apartheitsregime in Südafrika unter Druck zu setzen. Beim Klimaschutz denkt man nicht als erstes an Finanzflüsse.

 

Warum dieser Fokus?

 

Weil der Finanzplatz Schweiz für den Klimawandel eine Rolle spielt. Das Bundesamt für Umwelt hat 2015 aufgezeigt, dass bereits fünf Prozent der Investitionen, die über den Schweizer Finanzplatz getätigt werden, gleichviele Treibhausgas-Emissionen zur Folge haben, wie die direkten Emissionen der Schweiz. Anders gesagt verursacht der Finanzplatz Schweiz rund 20 Mal so viele Emissionen wie die Schweiz direkt. Ein Grossteil der investierten Gelder stammt von Sparkonten und Pensionskassen. Deshalb haben wir die Kampagne renten-ohne-risiko.ch lanciert, mit der jeder einzelne seine Pensionskasse dazu auffordern kann, Investitionen aus fossilen Energieträgern abzuziehen. 

Angenommen, alles Geld wird aus fossilen Energieträgern abgezogen. Wo soll es denn investiert werden?

 

Wichtig ist, dass die Gelder in nachhaltige und zukunftsweisende Projekte fliessen, z.B. zur Förderung der biologischen Landwirtschaft oder in erneuerbare Energien wie Wind und Solar. Für den dringend nötigen Umbau unserer Wirtschaft in ein nachhaltigeres System braucht es da ein Engagement von uns allen, also auch von Pensionskassen und Banken.

 

Das Beispiel aus Brasilien zeigt jedoch, dass Investitionen in erneuerbare Energien nicht per se gut sind. Wie lassen sich solche negativen Folgen vermeiden?

 

Hier müssen wir uns klar darüber sein, dass ein Staudamm im Amazonasgebiet auch für den Klimaschutz bedenklich ist:

Bedroht durch gebaute und geplante Staudämme: Die Zukunft der «Manoki» in Brasilien ist ungewiss.

Durch die Flutung der Böden und das Verrotten der Vegetation werden Treibhausgas-Emissionen ausgestossen. Auch bei Wasser-, Wind- und Solarprojekten muss sichergestellt werden, dass die Menschenrechte respektiert werden. Oft sind kleine Projekte nachhaltiger, z.B. die solare Elektrifizierung von Dörfern in Afrika.

 

Viele Investitionen in fossile Energie werden auch in Entwicklungsländern getätigt. Ist Desinvestition in dem Fall auch ein Entwicklungsthema?

 

Ja, absolut. Aufgrund unserer Emissionen haben wir eine grosse – auch historische Verantwortung für das aktuelle Klima. Die Menschen in Entwicklungsländern, die am wenigsten zum Problem beigetragen haben, sind am stärksten von Hitzewellen, Meerespiegelanstieg, stärkere Stürme, Erdrutschen und anderen klimabedingten Problemen betroffen.

 

Deshalb sind wir gefordert, arme Länder bei ihren Anpassungsmassnahmen und bei der Förderung von erneuerbaren Energien zu unterstützen. Indien etwa strengt sich derzeit enorm an, die Erdölimporte und die Kohlegewinnung herunterzufahren und erneuerbare Energien zu fördern. Wenn wir unser Geld dort in einen Windpark anstatt in eine Kohlemine investieren, können wir diese Bemühungen unterstützen.

 

 

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