Novos Paradigmas – Bericht vom Weltsozialforum in Salvador do Bahia

16.03.2018
Die Eröffnungsdemo des Weltsozialforums wird von Sambagruppen begleitet. Die Demo ist lebendig und verströmt Energie. (Bild: Daniel Hostettler/Fastenopfer)

Novos Paradigmas – Bericht vom Weltsozialforum in Salvador do Bahia

Brot für alle und Fastenopfer haben mit der Ökumenischen Kampagne 2018 ein grosses Thema lanciert: «Gemeinsam für eine Welt, in der alle genug zum Leben haben». Nicht weniger als ein gesellschaftlicher Wandel wird gefordert. Auch am Weltsozialforum 2018 in Salvador werden zeitgleich die grossen Fragen diskutiert: Welche Elemente sind zentral für einen Paradigmenwechsel? Wie kann ein gesellschaftlicher Wandel angestossen werden? Denn eines ist allen Anwesenden klar: Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sondern auch dringend nötig.

Fastenopfer ist am Weltsozialforum präsent und hat massgeblich zur Organisation einer grossen, zweitägigen Diskussionsrunde zu «neuen Paradigmen» beigetragen. Für diese Diskussion kommt im Zelt der «Novos Paradigmas» ein bunter Strauss von Akteuren zusammen; Vertreterinnen der lateinamerikanischen Zivilgesellschaft und indigener Völker, Jugendbewegungen aus Brasilien und den USA, Aktivistinnen aus der ganzen Welt und Interessierte aus Nah und Fern. Morgens ist das Zelt mit rund 150 Personen zum Bersten voll, die Stimmung ist gut. Nachmittags gehen die Diskussionen in kleinen Gruppen weiter, trotz der drückenden Hitze.

Der Slogan des Forums, Resistir É Criar, Resistir É Transformar (Widerstand ist Erschaffen, Widerstand ist Transformation), fasst die Debatten gut zusammen. Widerstand ist wichtig. Denn für einen erfolgreichen gesellschaftlichen Wandel müssen die nötigen Freiräume geschaffen werden. Die indigene Kandidatin für das Vize-Präsidialamt Brasiliens, Sônia Guajajara, erklärt in einer mitreissenden Rede, wieso der Kampf für die Selbstbestimmung der indigenen Völker und für ihre Lebensformen ein wichtiges Element des Paradigmenwechsels ist. Der Kampf für eine Verschiebung der Machtverhältnisse weg von den Privilegierten hin zu den lokalen Gemeinschaften ist zentral. Denn diese Gemeinschaften sind die Basis für das Erschaffen von Neuem, von lokalen aufs Gemeinwohl ausgerichteten Produktions- und Konsumzyklen.

Pablo Solón, ehem. UN-Botschafter Boliviens, hebt klar hervor, dass für einen systemischen Wandel der Anthropozentrismus, überwunden werden muss. Es reicht nicht, fossile Energieträger einfach durch Solarenergie zu ersetzen. Ein kultureller Wandel muss den technologischen Wandel begleiten, denn unsere Konsummuster sind alles andere nachhaltig. Damit diesbezüglich ein echter Wandel geschehen kann, muss jede und jeder auch sich selber und seinen Beitrag zum Wohl aller hinterfragen. Diese innere Transformation wurde von verschiedenen Rednerinnen und Rednern als besonders wichtig hervorgehoben.

Nach zwei Tagen geht die Diskussionsrunde zu «neuen Paradigmen» zu Ende. Die Diskussionen waren intensiv und oft inhaltlich sehr reich. Gerade deshalb, weil die Teilnehmenden aus der ganzen Welt angereist sind. Die Dynamik des Weltsozialforums sorgt auch immer wieder für Überraschung.

Eine Gruppe von Aktivisten hat kurzerhand das Zelt gekapert und mit Musik und Gesang für ihr Anliegen, nämlich behinderte Menschen, geworben. So geht das am Weltsozialforum. Mit viel Elan im Einsatz für eine andere Welt.

David Knecht (Fastenopfer)