Bern und Luzern, 11. März 2017

Offener Brief an den CEO der Credit Suisse

Sehr geehrter Herr Thiam

Die Credit Suisse ist an einer grossen Ungerechtigkeit beteiligt: In Indonesien wird zahlreichen Menschen das Land genommen, um darauf Ölpalm-Plantagen anzulegen. Die Plantagen zerstören die Umwelt, laugen den Boden aus und verschmutzen die Flüsse.

Den einheimischen Dayak-Völkern werden ihre Lebensgrundlagen und ihre Identität unwiederbringlich genommen.

Als Finanzdienstleister und Kreditgeber steht die Credit Suisse in Verbindung mit diesen Vorgängen. Sie ist der grösste Schweizer Finanzdienstleister für Palmölproduzenten und Palmölhändler. Allein in den Jahren 2009 bis 2016 hat die Credit Suisse Dienstleistungen in Höhe von über 900 Millionen Franken für die Palmölindustrie erbracht. Sie besitzt Aktien und Obligationen von Palmölfirmen von über 50 Millionen Franken. Unter anderem hat die Credit Suisse die Aktienausgabe für die Firma Dharma Satya Nusantara mitorganisiert. Dörfer und Völker in den indonesischen Kalimantan-Provinzen auf der Insel Borneo, die mit Partnerorganisationen von Brot für alle und Fastenopfer zusammenarbeiten, sehen sich durch deren Tochterunternehmen bedrängt.

Dort wurden in den letzten Jahrzehnten bereits Millionen Hektar Urwald abgeholzt und das Land an Palmölproduzenten übergeben. Diese erzielen hohe Gewinne aus der Herstellung von Palmöl, während die Menschenrechte missachtet werden. Die Firmen eignen sich das Land an, ohne die betroffenen Menschen richtig zu informieren oder deren Zustimmung vorher erhalten zu haben. Damit halten sich die Kunden der Credit Suisse nicht an die Standards der Bank. Je weiter Land Grabbing voranschreitet, desto mehr Menschen bleiben in Armut und Not zurück.

Wir können diese Ungerechtigkeit nicht hinnehmen. Deshalb fordern wir Sie auf:

1. Sorgen Sie dafür, dass die Credit Suisse die Einhaltung der Menschenrechte und die Einhaltung ihrer eigenen Nachhaltigkeitsstandards von allen ihren Kunden einfordert.

2. Stoppen Sie die Geschäfte der Credit Suisse mit Unternehmen, die Land Grabbing betreiben und dabei Millionen von Menschen die Lebensgrundlage nehmen – insbesondere in Indonesien.

Herr Thiam, Sie haben es in der Hand, die Lebensgrundlage der Dayak-Völker zu bewahren. Wir bitten Sie, diese Ungerechtigkeit zu beenden.

Wir danken Ihnen im Voraus für Ihre Antwort. 

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