«Wenn du Leukämie hast, heisst es dann, es sei Tuberkulose»

05.09.2016

Die Arbeiter in der IT-Industrie in China sind nicht nur hochgiftigen Chemikalien wie Benzol ausgesetzt. Oft versuchen die Konzerne, eine Entschädigung zu verhindern und üben Druck auf die Spitäler aus, Befunde in ihrem Sinne zu verändern.

 

«Sie haben uns gesagt, wir sollen Masken und Handschuhe tragen, damit wir keine Fingerabdrücke auf den Bildschirmen hinterlassen und die Geräte nicht mit Speichel in Kontakt kommen. Von giftigen Substanzen war nie die Rede», sagt Chen Qianqian, ein Benzol-Opfer. Auch sie kämpft seit Jahren vergeblich für eine rechtmässige Entschädigung. Die Hürden dafür sind hoch und die bürokratischen Wege lang. Nur wer eine Anstellungsbestätigung der Firma hat sowie ein Attest einer staatlich zertifizierten Klinik, dass es sich um eine arbeitsbedingte Krankheit handelt, erhält von Gesetzes wegen eine Entschädigung.

 

NGO

«Globale Marken müssen Verantwortung übernehmen für das,

was in der IT-Industrie in China passiert.»

Yi Yeting, Benzol-Opfer, 28 Chemotherapien

Oft versuchen die Konzerne, diese Entschädigung zu verhindern und üben Druck auf die Spitäler aus, Befunde in ihrem Sinne zu verändern. «Wenn du Leukämie hast, heisst es dann, es sei Tuberkulose», sagt Zhai Yujuan, Professorin für Arbeitsrecht an der Universität von Shenzhen.

 

«Ich habe so viele Arbeiterinnen und Arbeiter aus der IT-Industrie kennengelernt, die an den Folgen von Benzol erkrankt sind», sagt Yi Yeting, selber ein Benzol-Opfer und Mitarbeiter einer Organisation, die sich für ein Benzol-Verbot in China einsetzt. Kein ungefährliches Vorhaben in einem Land, in dem Arbeitsrechtlerinnen und Arbeitsrechtler als Gefahr für die Wirtschaft betrachtet werden.

 

Immer wieder musste der Familienvater, der bereits 28 Chemotherapien hinter sich hat, wegen seinem Engagement den Wohnsitz wechseln. Eine Ausreise an eine internationale Konferenz in San Francisco zum Thema Benzol im Winter 2015, an der auch Brot für alle und Fastenopfer teilnahmen, wurde ihm verweigert. Doch es hielt ihn nicht davon ab, über Skype sein Anliegen an die Versammelten zu richten: «Globale Marken müssen Verantwortung übernehmen für das, was in der IT-Industrie in China passiert.»

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