Wie Gold zu Hunger führt

13.02.2016

Rund 70 Prozent des weltweit gehandelten Goldes wird in der Schweiz verarbeitet. Doch unter dem Abbau des kostbaren Gutes leiden die Menschen vor Ort, wie ein Beispiel aus Burkina Faso zeigt. Die verantwortlichen Unternehmen kümmert das bislang wenig. Die Ökumenische Kampagne will das ändern.

 

Florent Ouédraogo* ist ausser sich: „Die Goldmine Bissa hat meine Felder unter Wasser gesetzt.“ Die Szene wirkt apokalyptisch: Inmitten der staubigen Landschaft erstreckt sich hinter Ouédraogo ein See, aus dem Wasser ragt ein toter Baum. Hier befinden sich seine Felder. 

 

Anfang August 2012 trat der kleine Fluss Débré, der durch sein Dorf Souryala zieht, immer mehr über seine Ufer. Der Grund: Die benachbarte Goldmine hat den Fluss gestaut, um die Wasserversorgung zu gewährleisten.
Seither haben Bauernfamilien Land verloren und im Dorf hat die Wasserqualität gelitten. „Wir können das Wasser nicht mehr trinken, es ist verschmutzt“, sagt Ouédraogo. Bis heute gab es keine Untersuchung. Und so leben die Menschen weiter in der Ungewissheit – vor allem die Viehbesitzer, die nicht verhindern können, dass ihre freilaufenden Rinder aus dem See trinken.

 

„Fünf Hektaren kann ich jetzt nicht mehr bebauen“, sagt der 62-jährige Ouédraogo. Vorher seien hier Hirse, Sesam und Niebe-Bohnen gewachsen. Geblieben sei ihm nur ein kleines Feld von 1,5 Hektaren. Damit muss er zehn Kinder ernähren.

 

Erfolg zunichte gemacht

 
Hilfe erhielt Florent Ouédraogo von Soutong Nooma, einer Partnerorganisation des Fastenopfers. Von ihr hat er gelernt, seinen Boden nachhaltig zu bebauen. Heute stellt er seinen eigenen Kompost her, schützt die Felder mit Steinmäuerchen gegen Erosion und wendet die Zaï-Methode an: Für jede Pflanze gräbt er ein separates Loch in den trockenen Boden, füllt es mit Kompost und legt den Samen hinein. So wird die Qualität des Bodens und die Ernte verbessert.

 
Ouédraogo steigerte seine Ernte auf 20 Hundertkilosäcke Hirse und 6 Säcke Niebe. Damit konnte er für seine Familie die Soudure verkürzen, die alljährlich wiederkehrende Zeit, in der die Lebensmittel knapp werden. Doch die Überschwemmung hat diesen Erfolg zunichte gemacht.
Zwar hat Florent Ouédraogo eine Entschädigung erhalten – fast drei Jahre später und lediglich für eine Hektare Land. Denn die Unternehmen kompensieren einzig Land, das auch bebaut wird. Für eine Brache erhält ein Landbesitzer nichts. Doch diese spielen wegen der schlechten Bodenfruchtbarkeit für die Erholung des Bodens eine wichtige Rolle.
Mit der Entschädigung von 500‘000 Francs CFA (umgerechnet 820 Franken) konnte sich Ouédraogo aber kein anderes Land kaufen. Land wird im ländlichen Burkina Faso traditionell nicht verkauft, sondern nur vererbt.

 

Die Rolle der Schweiz

 

Das Dorf Souryala ist kein Einzelfall. Untersuchungen von Fastenopfer im Umfeld von drei Minen ergaben dasselbe Bild: Der Goldabbau zerstört die Lebensgrundlagen der Menschen.

 

Das Gold aus den untersuchten Minen wird in der Schweiz raffiniert: bei Metalor und Pamp. Als alleinige Abnehmer könnten die Unternehmen Einfluss auf die Minen nehmen. Offenbar ungenügend. Deshalb hat Fastenopfer zusammen mit anderen Organisationen die Konzernverantwortungsinitiative lanciert. Sie will Unternehmen gesetzlich zur Sorgfalt gegenüber Menschenrechten und Umwelt verpflichten und steht im Zentrum der Ökumenischen Kampagne.

 

Unterstützen Sie die Menschen in Burkina Faso mit einer Spende auf PC 60-19191-7, Vermerk: „Burkina Faso“ und unterschreiben Sie die Konzernverantwortungsinitiative: www.fastenopfer.ch/Konzernverantwortungsinitiative »

Patricio Frei, Fastenopfer