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Tag 38 - Menschen und Geschichten

di
31.3.

Tradition 
und Kulturerbe

Die Bewirtschaftung eines Nutzgartens war eine Tradition, die über Generationen von Mutter zu Tochter weitergegeben wurde. Die kulturellen Schätze, die dadurch entstanden sind, dürfen wir weiterentwickeln, an neue Klimabedingungen anpassen und für die Gärten von heute und morgen hüten.

«Eine Vielfalt an biologischem Saatgut ist unser kulturelles Erbe.»

Tulipan Zollinger, Hüter der Biosamen

Tulipan Zollinger setzt sich im Familienbetrieb für eine Vielfalt an biologischem Saatgut ein. Saatgut, das kulturell und lokal verwurzelt sein darf.

Sie hüten ein gartenkulturelles Erbe. Wie soll man das verstehen?

Zollinger: «Lange gehörte ein Garten zu jeder Wohnsituation dazu. Das Wissen um Erhalt und Zucht der Sorten wurde von der Mutter an die Tochter weitergegeben. Heute sind die Platzverhältnisse anders. Dadurch ging ein Teil dieses kulturellen Erbes verloren. Die Erhaltung und Weiterentwicklung von Saatgut, das an örtliche und klimatische Bedingungen angepasst ist, verstehen wir als unsere kulturelle Verantwortung.»

Und trotzdem ist Gärtnern heute sehr im Trend?

«Es ist ein Wandel hin zum urbanen Gärtnern erkennbar. Junge Menschen lassen sich dazu inspirieren, sehr kleinräumig aktiv zu werden. Viele Hobbygärtner:innen ziehen Gemüse oder Kräuter im Hochbeet oder auf dem Balkon. Da das traditionelle Wissen nicht weitergegeben wurde, wächst der Bedarf an Hilfestellung. Denn langfristig braucht diese neue Generation Erfolgserlebnisse.»

Was motiviert heutige Hobbygärtner:innen?

«Im Globalen Süden bleibt Eigenanbau wichtig für die Ernährungssicherheit. Bei uns ist das Ziel meist nicht Selbstversorgung, sondern Selbstverwirklichung. Zur Entschleunigung gehört auch dazu, dass nicht chemisch nachgeholfen wird und trotzdem etwas Schönes wächst. Und es wird ein gewisser Komfort erwartet. Also sind heute Tomatensorten erhältlich, die nur 30 cm hochwachsen, oder solche, die bereits im Juni, also vor den Sommerferien, geerntet werden können.»

Engagieren Sie sich auch für Bildungsinitiativen?

«Auf jeden Fall. Unsere Generation hat eine grosse Verantwortung gegenüber Kindern. Sie sollen erleben dürfen, wie und wo Lebensmittel entstehen. So fördert Gärtnern nicht nur Erfolgserlebnisse, sondern auch die Wertschätzung gegenüber Nahrungsmitteln.»

 

Interview: Fanny Bucheli

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